1 December 2015

Dem Westen entgegen: In Asien wächst eine neue Generation Unternehmer heran

In Hongkong, Singapur und Festlandchina (nachfolgend China) wächst eine neue Unternehmergeneration heran, die sich grundlegend von den westlichen Vorstellungen des Unternehmertums unterscheidet. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der Studie „Essence of Enterprise“ der HSBC Private Bank.

  • Zwei von fünf Unternehmern in Hongkong, Singapur und Festlandchina sind Frauen, nahezu die Hälfte ist jünger als 35
  • Asiatische Unternehmen verzeichnen höhere Umsätze, während die Eigner weniger Privatvermögen besitzen
  • In Asien sind Familie und persönliche Netzwerke maßgebend für den unternehmerischen Erfolg

In Hongkong, Singapur und Festlandchina (nachfolgend China) wächst eine neue Unternehmergeneration heran, die sich grundlegend von den westlichen Vorstellungen des Unternehmertums unterscheidet. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der Studie „Essence of Enterprise“ der HSBC Private Bank. Befragt wurden 2.800 Unternehmer mit einem Vermögenswert von mehr als einer Mio. US-Dollar. Vor allem hinsichtlich Beweggründen, Erfolg und den Herausforderungen zeigten sich in Asien große Unterschiede zu Unternehmern aus dem Westen.

Früh gestartet, schnell gewachsen

Gerade beim Verlauf der Karriere werden diese Unterschiede deutlich. Asiatische Unternehmer gründen wesentlich früher und legen deutlich mehr Wert auf die Unterstützung von Familie und Freunden. Das Durchschnittsalter der Unternehmer zum Gründungszeitpunkt ihres ersten Unternehmens liegt im asiatischen Raum bei 29 Jahren. In den westlichen Ländern sind es 34 Jahre. Vier von zehn (41%) Befragten waren bei ihrer ersten Unternehmensgründung jünger als 35 Jahre. Die jungen Unternehmer kommen aus Familien mit unternehmerischem Hintergrund. Sie hatten die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und sich erforderliches Wissen anzueignen.

Vor allem Frauen haben den Gründungsprozess in Asien vorangetrieben. Zwei von fünf Unternehmern sind weiblich. Die Hälfte von ihnen ist dabei jünger als 35 Jahre. In Hongkong ist das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Unternehmern nahezu ausgeglichen (48% weiblich, 52% männlich), während der Frauenanteil in China (36%) und Singapur (37%) etwas niedriger ist.

Trotz zahlreicher Initiativen, die Zahl der Unternehmerinnen in westlichen Ländern zu erhöhen, sind dort durchschnittlich kaum ein Drittel der Unternehmensgründer weiblich. In Deutschland sind Unternehmerinnen mit 21 % immer noch stark unterrepräsentiert.

Auch auf der Vermögensleiter arbeiten sich Asiens Unternehmerinnen empor. Mehr als die Hälfte (51%) aller Unternehmer in Asien mit einem Vermögen von mehr als 15 Mio. US-Dollar sind weiblich. In den westlichen Ländern beträgt der Anteil hingegen nur 33 %. Das Vermögen von Unternehmerinnen beläuft sich durchschnittlich auf 4,6 Mio. US-Dollar verglichen mit 4 Mio. US-Dollar bei männlichen Unternehmern. Unternehmerinnen in Singapur überholen bei der Wertschöpfung sogar ihre männlichen Counterparts im Westen mit durchschnittlich 6,4 Mio. US-Dollar gegenüber 4,8 Mio US-Dollar.

Auch wenn die Weltwirtschaft immer vernetzter ist, zeigt diese Studie, dass die Kultur, die Gesellschaft und die Wirtschaft einer Region maßgeblichen Einfluss auf Unternehmensgründungen haben.

Langfristig engagiert: Von der Gründung zum Konzern

Firmengründer in Asien sind eher auf langfristige Unternehmungen fokussiert als ihre Pendants im Westen. Das gilt vor allem für China, wo weniger als ein Viertel (24%) der Unternehmer die Intention hat, ihr Geschäft zu verkaufen. In Großbritannien hegen immerhin 55% der Firmenbesitzer diesen Gedanken.

Einmal ein bestimmtes Wohlstandsniveau erreicht, suchen sich Unternehmer im Westen neue Investitionsprojekte. In Asien dagegen ist es laut Studie prestigeträchtiger, sein Unternehmen zu festigen und in dessen Wachstum zu investieren.

Aus der Studie wird eine vermeintliche Diskrepanz deutlich: Unternehmer in asiatischen Märkten führen größere Firmen, häufen aber weniger Privatvermögen an als Firmenbesitzer im Westen. Asiatische Unternehmer geben an, dass sie mit ihrer Hauptunternehmung einen Umsatz von 12 Mio. US-Dollar realisieren – zweimal so viel wie ein Unternehmen im Westen. Dennoch beläuft sich ihr Vermögen durchschnittlich auf 16,2 Mio. US-Dollar, 26% weniger als ein westlicher Unternehmer.

Der Einfluss des Netzwerks aus Freunden und Familie: Vertrauensvolle Unterstützung oder zusätzliche Komplexität

Einer der bedeutendsten Ergebnisse der Studie ist der Stellenwert der Familie und des persönlichen Netzwerks für Unternehmer in Asien. Mehr als die Hälfte (54%) von ihnen stammt bereits aus Unternehmerfamilien verglichen zu 43% in Europa und den Vereinigten Staaten. Ähnlich viele Unternehmer (49%) greifen dort auf das Familienvermögen zurück, um ihre erstes Unternehmen zu finanzieren, während 26% Freunde und Bekannte als Investoren gewinnen. In China ist das Vermögen der Familie noch wichtiger für Start-Ups: 61% der Firmengründer nutzen diese Quelle, um die Unternehmung zu finanzieren, und 32% überzeugen Freunde und Bekannte.

Doch die Bedeutung von informellen Beziehungen ist Fluch und Segen zugleich. Denn ohne ein großes persönliches Netzwerk wird es für Unternehmer in Asien schwierig. Fast ein Drittel (30%) der Unternehmer in der Region führt dieses Hindernis an, während in den westlichen Ländern nur einer von zehn Befragten (12%) dieses Problem äußert.

Unternehmer aus Hongkong, Singapur und China nannten den finanziellen Wohlstand als ein wesentliches Entscheidungskriterium für das Unternehmerdasein. Zugleich ist es auch eine der prestigeträchtigsten persönlichen Errungenschaften in Asien.

Das individuelle Streben nach Wohlstand geht dort mit dem Wunsch einher, etwas zurückzugeben. Die Gesellschaft positiv beeinflussen zu wollen, war ein weiterer wichtiger Beweggrund, sich für das Unternehmerdasein zu entscheiden. Während sie genauso wie westliche Unternehmer für gemeinnützige Zwecke spenden, orientiert sich das soziale Engagement in Asien eher gesellschaftlich und kulturell als an persönlichen Werten. Auch unterliegt es häufiger einer dezidierten Strategie und erfolgt weniger spontan im Vergleich zu westlichen Ländern.

Diese Ergebnisse sind Teil einer ausführlichen Studie der HSBC Private Bank „Essence of Enterprise“, die Anfang 2016 veröffentlicht wird. Der Report basiert auf einer persönlichen Befragung von 2.800 Unternehmern mit einem Vermögen von mehr als 1 Mio. US-Dollar unter anderem in Hongkong, Singapur, Festlandchina, USA, Deutschland und Frankreich. Die Studie ist eine der am breitesten angelegten Untersuchungen des Unternehmertums in den wesentlichen Märkten der Welt.

Über die Studie:

Die Studie wurde im Auftrag der HSBC Private Bank vom Forschungsinstitut Scorpio Partnership durchgeführt. Im Zeitraum zwischen August und September 2015 wurden insgesamt 2.834 Personen befragt. Davon waren alle entweder im Besitz eines Unternehmens oder bezogen einen Großteil ihres Vermögens aus einem unternehmerischen Hintergrund und besaßen mindestens ein Privatvermögen von 1 Mio. US-Dollar. Das durchschnittliche Vermögen der Teilnehmer betrug 4,6 Mio. US-Dollar. Die Studie wurde neben Deutschland in China, Hongkong, Singapur, Großbritannien, Frankreich, Schweiz, den USA, den Vereinigte Arabischen Emiraten und in Saudi Arabien durchgeführt. „Asiatische Unternehmer“ repräsentieren insgesamt 1.106 Befragte aus Festlandchina (495), Singapur (334) und Hong Kong (277). „Westliche Unternehmer“ sind die Gruppe aus 1.501 Befragten aus Deutschland (248), Frankreich (252), Großbritannien (501) und den USA (500).


HSBC Trinkaus & Burkhardt AG ist eine führende kundenorientierte Geschäftsbank mit nunmehr 230 Jahren Erfahrung und Teil der weltweit operierenden HSBC-Gruppe. Mit über 2.700 Mitarbeitern ist die Bank neben der Zentrale in Düsseldorf an 11 Standorten in Deutschland präsent. Zugleich ist Deutschland einer der wichtigsten Wachstumsmärkte für die HSBC-Gruppe. Die besondere Stärke der HSBC Trinkaus & Burkhardt AG liegt in der umfassenden Betreuung ihrer Kunden, der detaillierten Kenntnis der internationalen Märkte, insbesondere der Growth Markets, sowie ihrer globalen Vernetzung mit direktem Zugang zu den Märkten der Zukunft. Bei einer Bilanzsumme von 24,3 Mrd. Euro und 208,1 Mrd. Euro Funds under Management and Administration verfügt die Bank als Teil der HSBC-Gruppe mit "AA- (Stable)" über das beste Fitch-Rating einer privaten Geschäftsbank in Deutschland. Die Kernzielgruppen bilden Firmenkunden, institutionelle Kunden und vermögende Privatkunden. (Alle Angaben zum 30. September 2015)

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